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28. Februar 2019

Efeu

Immergrünes Paradies

Vom Zwetschenbaum ist nicht mehr viel zu sehen. Efeu hat sein grünes Kleid über ihn geworfen. Dem Menschen bringt der Baum nun kaum mehr Früchte, für die die Natur aber ist er ein Paradies. Er bietet Vögeln Wohn- und Nistplätze, aber auch Schutz vor Wind und Wetter. Insekten ist er mit seiner späten Blütezeit eine hochwillkommene, weil eine der letzten Nahrungsquellen des Jahres. Seine dunklen Früchte schliesslich helfen den Vögeln durch den Winter.

Auch für den Menschen hat der Efeu Gutes zu bieten. Mit seinen immergrünen Blättern ist er ein ausgezeichneter Sichtschutz, der Betonmauern, Gabionen, Zäune und Mauern von nützlichen und notwendigen in naturnahe Elemente verwandelt. Mit Geissblatt und Wildrosen zaubert man Farbtupfer auf die grüne Wand - und zusätzliches Futter für Insekten- und Vögel.

Bei uns am häufigsten verbreitet ist Hedera helix, der Gemeine oder Gewöhnliche Efeu. Gemäss Wikipedia stammt er aus den Tropenwäldern des Tertiärs, das vor etwa 2,6 Millionen Jahren endete. Er ist in Mittel-, West- und Südeuropa heimisch und fand den Weg auf andere Kontinente erst durch die Kolonisation. Efeu kann 400 bis 500 Jahre alt werden, manchmal bis 1000. Mit etwa zehn Jahren erreicht er die Altersform, ab der er bei genügend Licht sein Wachstum auf die Bildung von Blüten und Beeren verlegt. Der Haupttrieb des Lianengewächses kann mit seinen Haftwurzeln mehr als 20 Meter hoch klettern, wobei er weder Mauern noch Bäume schädigt. Efeu eignet sich deshalb auch als Sonnenschutz für Bäume.

Wegen seiner Eigenschaft des Rankens und Umschlingens wird Efeu gerne mit Liebe und Freundschaft in Verbindung gebracht. Die alten Ägypter und Griechen verehrten die Pflanze als Symbol der Unvergänglichkeit, Jugend und Kraft. Die ersten Christen betteten ihre Toten auf den immergrünen Efeu, auf dass deren Seelen ewig lebten. Efeu gilt zudem als eine der ältesten Heilpflanzen. Da er für Menschen grundsätzlich giftig ist, werden nur die getrockneten Blätter von nicht blühenden Pflanzen verwendet, die als schleim- und krampflösend und als herzstärkend gelten.

Efeu ist anspruchslos und pflegeleicht. Er gedeiht in der Sonne und im Schatten. Heisse Sommer und kalte Winter können ihm nichts anhaben, auch lange Trocken- und Regenperioden nicht. Bei Bedarf schneidet man ihn im Frühling etwas zurück. Mehr Arbeit gibt er nicht.

Seit Jahrmillionen bewährt, anspruchslos, gut für Mensch und Tier, gerüstet für die zunehmend extremen Wetterverhältnisse – perfekter als Efeu kann eine Pflanze kaum sein.

Efeuwand Begrünt
Efeu Fruechte
Mkg 1401
Sichtschutzelemente Efeu
5. Dezember 2018

Äpfel

Unser täglich Obst

Der letzte Winter war schrecklich: Kein einziger Apfel lagerte im Keller. Gut 30 Hochstämmer zählen wir in unserem Baumgarten. Doch der Frost hatte den Blüten kaum eine Chance gelassen. Von den paar Früchten, die überlebten, holten sich die Vögel die meisten. Unseren Ertrag konnten wir an den Fingern abzählen.

Ein Winter ohne eigene Äpfel - unvorstellbar. Aufgewachsen auf einem Bauernhof und zu einer Zeit, in der sich die Regale der Lebensmittelhändler noch nicht unter dem Angebot aus der ganzen Welt bogen, assen wir, was der Hof hergab. Von Herbst bis spätem Frühling waren das vorwiegend Äpfel. Von Eintönigkeit konnte jedoch nicht die Rede sein, gab es doch viele verschiedene Sorten, die ganz verschieden schmeckten. Sie kamen meist roh, auf Wähen und in Kuchen, oder – unser aller Festessen – als ‚Öpfelchüechli‘ auf den Tisch. Heute lasse ich mich auch von Orangen oder Datteln verführen, Äpfel aber gehören nachwievor jeden Tag zum Menu.

Äpfel sind der Schweiz‘ liebste Frucht. 16 kg hat gemäss swissfruit, dem Schweizer Obstverband, jeder Einwohner und jede Einwohnerin im Jahr 2016 gegessen. Doch der Konsum ist seit Jahren rückläufig. Das mag – neben der Konkurrenz aus aller Welt - vielleicht auch an der schwindenden Vielfalt liegen. Gerade mal drei bis fünf Sorten finden sich im Supermarkt, die alle ähnlich schmecken. Dabei gäbe es allein in der Schweiz um 1000 Sorten, weltweit sind es gar mehr als 20‘000. Pro Specie Rara, die sich dem Bewahren der genetischen Vielfalt verschrieben hat, zählt über 900 Sorten, die es bei uns zu erhalten gilt. Denn die genetische Breite entscheide eines Tages über Sein oder Nichtsein der Lebensmittel, sagte die Leiterin Pflanzen von Pro Specie Rara gegenüber einer Zeitung. Und freute sich, dass es immer mehr Menschen gibt, die Wert auf Vielfalt legen. Doch wird es wohl noch eine Weile dauern, bis diese Vielfalt in den Supermarkt kommt.

Noch ist Gala bei uns der beliebteste Apfel. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Golden Delicious und Braeburn. Gegen 150‘000 Tonnen Äpfel werden gemäss swissfruit in der Schweiz produziert. Die meisten kommen von Plantagen, die maschinell und ohne Leitern zu bearbeiten sind. Entsprechend viel Land wird für den Anbau gebraucht: 5441 Fussballfelder sind es zurzeit.

Äpfel sind gesund, sagt man in der deutschen Sprache. ‘Une pomme par jour, santé pour toujours’, sagt die Kollegin aus dem Elsass. Und die Amerikaner sparen sich mit ‘An apple a day keeps the doctor away’ gar den Arzt. Äpfel sind in der Tat gesund: Sie enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Ballaststoffe wie Rohfaser, Zellulose oder Pektine binden Schadstoffe und fördern die Verdauung. Äpfel geben Energie und sind die ideale Zwischenmahlzeit. Für Gross und Klein.

Dieses Jahr hat es Petrus gut mit uns gemeint. Die Ernte ist reichlich ausgefallen, der Winter kann uns nichts anhaben. Der Winter ohne Äpfel, er bleibt hoffentlich die Ausnahme.

Apfelast
Apfelkuchen
18. September 2018

Wespen

Weder unnütz noch aggressiv

Die Temperaturen sind gefallen, der Himmel ist verhangen an diesem Sonntagmorgen. Wir sitzen draussen, trinken noch einen Kaffee, vor uns die leeren Frühstücksteller. Zwei Wespen lassen sich darauf nieder, lecken an den Spuren des Honigs. Arbeiterinnen vielleicht, die nach Ende der Brutpflege noch ein paar freie Tage geniessen, bevor sie das Zeitliche segnet.

Der Honig sei ihnen gegönnt, denn das Wespenleben ist alles andere als ein Honigschlecken. Harte Arbeit bestimmt den Tag. Dazu kommt der Mensch, der den Wespen feindselig begegnet. Unnütze und aggressive Wesen, die sofort stechen und einem das gemütliche Essen im Freien vergällen, da hilft nur Töten, so die weitverbreitete Meinung.

Doch Wespen sind weder unnütz noch aggressiv. Von den elf Arten der in Mitteleuropa verbreiteten Echten Wespen nähern sich nur die Gemeine und die Deutsche Wespe dem Menschen. Wespen lieben Süsses, ernähren sich von Nektar, Pollen, Frucht- und Pflanzensäften. Die Larven werden mit erbeuteten oder toten Tieren gefüttert. Sie selbst dienen grösseren Insekten wie der geschützten Hornisse oder Libellen, aber auch Vögeln als Nahrungsquelle.

Wie die Bienen kennen auch die Wespen die Arbeitsteilung im Nest. Die jungen Königinnen, die überwintert haben, fangen im Frühling mit dem Nestbau an. Das Nest wird aus Holzmasse gebaut, und wer je eines in der Hand gehalten hat, staunt, wie gleichmässig und elegant es gebaut ist. Sobald die frisch geschlüpften Insekten kräftig genug sind, wird ihnen Arbeit zugeteilt, beim Nestbau, der Zellensäuberung, der Larvenfütterung, der Versorgung der Königin oder der Nahrungsbeschaffung. Wenn genügend Arbeiterinnen vorhanden sind, verlässt die Königin das Nest nicht mehr. Durch eine bessere Versorgung entwickeln sich aus einigen Larven fruchtbare Weibchen, die Königinnen der nächsten Generation. Aus gleichzeitig oder kurz vorher abgelegten unbefruchteten Eiern entwickeln sich Männchen. Diese verlassen das Nest, paaren sich mit einer jungen Königin aus einem benachbarten Volk – und sterben. Wenn gegen Herbst dann auch die alte Königin stirbt, verlassen alle das Nest. Im nächsten Jahr kehrt vielleicht eine der Königinnen an den gleichen Ort zurück, sie baut aber auf jeden Fall ein neues Nest.

Der Mensch und die Wespen, das ist keine Liebesgeschichte. Muss es ja auch nicht sein. Leben lassen können wir die Viechen trotzdem. Nicht fuchteln, sie nicht anhauchen, Getränke abdecken und ihnen vielleicht einen separaten Teller bereitstellen - so kommen wir gut aneinander vorbei.

Wespe1
8. August 2018

Hausrotschwänze

Gerngesehene Gäste

Im Osten färbt sich langsam der Himmel rot. Noch ist es kühl und ruhig. Ganz plötzlich hört man ein Zwitschern, leise zwar, aber doch sehr bestimmt. Es kommt von oben. Dort, wo Mauer und Dachbalken einen Zwischenraum lassen, kaum eine Hand breit und etwa gleich hoch, da hat sich ein Hausrotschwanz-Paar eingenistet. Nun sind die Jungen geschlüpft und schreien nach Futter. Nicht vergebens: Auf der Rose vor dem Fenster sitzt Vater Rotschwanz, eine fette Raupe hängt aus seinem Schnabel. Schwarz ist sein Gefieder, orange leuchten seine Schwanzfedern. Aufmerksam schaut er sich um, dann fliegt er unters Dach, stopft die Raupe in die hungrigen Schnäbel. Bevor er wieder wegfliegt, macht er noch kurz Rast auf der Petunie, die weiter unten an einem Dachbalken hängt. Dann ist es wieder ruhig. Doch bald hört man erneutes Gezwitscher. Dieses Mal ist die Mutter im Anflug, ein grau-braunes, unscheinbares Tier, mit Insekten im Schnabel. Sie fliegt auf den unteren Balken, auch sie schaut sich aufmerksam um, bevor sie zum Nest fliegt. Ich schaue dem emsigen Treiben lange zu - die Kleinen scheinen unersättlich.

Der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) ist eine Singvogelart aus der Familie der Fliegenschnäpper. Er wird etwa 15 cm gross und bis zu 20 g schwer. Ursprünglich ausschließlich im Gebirge beheimatet, ist er im 19. Jahrhundert in die künstliche Felslandschaft menschlicher Siedlungen eingewandert. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen. Typisch sind sein ständiges Schwanzzittern, oft verbunden mit einem Knicksen der Beine. Hausrotschwänze zählen tageszeitlich zu den ersten gesangsaktiven Vögeln. Sie sind Kurzstreckenzieher und überwintern vorwiegend im Mittelmeerraum. Sie verlassen dabei als eine der letzten wegziehenden Arten das Brutgebiet und kehren früh im Jahr zurück. Sie gelten als nicht gefährdet.

Lang geblieben sind die Vögel nicht unter meinem Dach. Ein paar Tage später schon liegen ein paar Moosfetzen auf der Treppe. Kein Gezwitscher ist mehr zu hören. Es ist ihnen wohl zu eng geworden dort oben, zwischen Mauer und Dach.

Gestern, als ich hinter dem Haus der Nachbarin durchlief, flog ein Gartenrotschwanz auf. Mit einem Hauch von Wehmut schaute ich ihm nach. - Es war mir eine Freude, euch als Gast zu haben. Drum kommt recht bald wieder. Mein Haus steht euch offen, jederzeit.

Hausrotschwanz Weibchen 2
Hausrotschwanz Maennchen 1