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19. Juni 2018

Wildblumen

Wild, schön, gut

Wer Wildblumen sät, bietet Insekten reichen Tisch. Wiesensalbei, Natternkopf, Kamille, Borretsch, Färberkamille, Johanniskraut und Co. schaffen nicht nur für die Tiere ein farbenprächtiges Paradies, sie sind auch für den Menschen eine Augenweide.

Wildblumen sind für Insekten lebensnotwendig, wir Menschen können sie einfach nutzen, als Tee, als Heilmittel oder zur Dekoration. Borretschblüten beispielsweise verschönern jeden Salat, Ringelblumen und Malven bringen Farbe in Teemischungen,  Ringelblumen in Salben und Tinkturen gelten als entzündungshemmend und als wundheilend, kühlen nach dem Sonnenbad und heilen rissige Hände. Die Blüten der Färberkamille werden ebenfalls gerne in Tees verwendet. Die Färberkamille, der die Wärme und die Strahlkraft der Sonne zugeschrieben wird, wurde einst gegen Gelbsucht  und als Wundheilmittel eingesetzt. Ausserdem dient sie als Färbemittel, früher für Wolle, heute vorwiegend in der Küche. Sie eignet sich gut für Blumensträusse, ebenso wie Wiesensalbei, Sonnenhut, Glockenblumen oder Johanniskraut.

Johanniskraut, auch ihm wird die Kraft der Sommersonne zugeschrieben, ist vor allem als Heilmittel geschätzt. Bereits Paracelsus erwähnte die wundheilenden und blutreinigenden Fähigkeiten. Früher galt die Pflanze gar als dämonenabwehrend und wurde in Stall und an Fensterkreuze gehängt, um böse Geister abzuwehren. Heute wird Johanniskraut vor allem bei depressiven Verstimmungen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Erschöpfung empfohlen.

Ebenfalls seit dem Altertum als Heilpflanze bekannt ist die echte Kamille. Den Germanen soll sie als heilig gegolten haben: Sie weihten die Pflanze dem Lichtgott Baldur, für die Ägypter war sie die Blume des Sonnengottes Re. Als Hausmittel gegen Darm- und Magenbeschwerden ist die echte Kamille bis heute nicht wegzudenken. Sie wirkt entzündungshemmend und lindert als Dampf Erkältungsbeschwerden.

Insektenfutter, Augenweide, Heilmittel – Wildblumen sind eine Wohltat für Mensch und Tier. Man muss sie einfach im Garten haben.

 

Wildblumen Königskerze Mario Knecht Gartengestaltung
Naternkopf Wildblumen Mario Knecht Gartengestaltung Basel
Wildblumen Natternkopf Ii Mario Knecht Gartengestaltung Basel
Wildblumensaat Im Kies Beim Spielbereich Und Treppenaufgang
9. April 2018

Ohne sie geht nichts - Insekten

Letzten Herbst erreichte das Bienensterben die Massenmedien. Anlass dazu war die Veröffentlichung einer Studie*. Sie zeigt auf, dass in deutschen Naturschutzgebieten die Fluginsekten-Biomasse innert 27 Jahren um mehr als 75 % abgenommen hat. Im Sommer, in der Hauptflugsaison also, betrage der Verlust sogar über 80%. Die Ergebnisse bestätigten auch, dass die bekannten Rückgänge von Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern einhergehen mit den drastischen Biomasseverlusten bei Fluginsekten. Dies betrifft nicht nur seltene und gefährdete Arten, sondern die gesamte Welt der Insekten.

Klima- und Biotopveränderungen über all die Jahre schliesst die Studie als Gründe für den Verlust aus, denn dieser betreffe alle Gebiete. Nicht abschliessend klären konnte sie, wie gross der Einfluss der intensiven Landwirtschaft ist. Dass er gross sei, sei wahrscheinlich, denn die meisten Biotope sind kleiner als 50 Hektaren und von intensiv genutzten Flächen umgeben.

Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten stecke, sondern wie deren Sterben zu stoppen sei. So das Fazit der Studie. Viele Zeitungen haben darüber berichtet. Passiert ist anschliessend – nichts! Das Verbot des Herbizid Glyphosat, das massgeblich zum Artensterben beiträgt, kam in der EU nicht durch. Und die Schweiz will gar den Grenzwert im Wasser für dieses Gift massiv erhöhen.

Wir können nicht auf das Gesetz warten. Die Insekten brauchen unsere Unterstützung jetzt. Auf biologisch produzierte Lebensmittel setzen und öfters mal ein Fleischverzicht mindern den Druck auf die intensive Landwirtschaft. In unseren Gärten braucht es weder Herbizid noch Pestizid, sondern Blumen, Sträucher, Ast- und Steinhaufen, die den Insekten Nahrung, Wohnraum und Verstecke und bieten.

Die Insekten brauchen uns. Wir sie aber auch. Wenn sie nicht mehr die Pflanzen bestäuben, geht uns die Nahrung aus. Und mag uns unser Beitrag im Moment nur klein erscheinen - wir sollten nicht vergessen: Auch der grösste Fluss fängt mit einem Wassertropfen an.  

*More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas, Studie veröffentlicht in PLOS ONE, Oktober 2017

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Mario Knecht Gartengestaltung Basel Wildbiene
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31. Januar 2018

Hahn im Korb

Wenn sich das Gartentor gut hörbar öffnet, kommt der Hahn mit seinem Harem angerannt. Er nennt zwar nur ein paar wenige Hennen sein Eigen, doch das scheint seinem Stolz nichts anzuhaben. Aufmerksam bewacht er das Scharren und Picken seiner Damen, macht es ihnen gleich, krächzt, wenn er etwas gefunden hat, das er mit ihnen teilen will. Er ist ein Seidenhahn, ein schönes Tier, weiss-grau, etwas braun, mit schwarz-grünen Schwanzfedern.

Seidenhühner sind kleiner als Haushühner und haben ausgefranste Federn. Woher sie kommen, ist unklar, ebenso, wann sie den Weg nach Europa fanden. Es gibt Hinweise, dass sie es Ende des 18. Jahrhundert nach Holland und ins Burgund schafften. Damals sollen unter anderem fahrende Schausteller das Federvieh als Kreuzung von Hühnern und Kaninchen vorgeführt haben.

Doch der Mensch hat viel früher angefangen, Hühner zu domestizieren. So lassen sich Funde am Indus auf etwa 2500 vor Christus datieren, in China und Ägypten gilt der Nachweis von Hühnerhaltung ab etwa 1500 v. Chr. als gesichert. In der Schweiz finden sich Beweise ab dem fünften Jahrhundert v. Chr., und zwar hier in der Region.

Huhn und Hahn begleiten den Menschen durchs Leben, auf dem Kirchturm, in Büchern, original im Stall und im Garten. Ihre Eier sind begehrt, ihr Fleisch auch. Und auch in die Sprache haben sie Eingang gefunden: gackern wie ein Huhn, sich aufführen wie ein Gockel, Hahn im Korb oder ein dummes Huhn sein. Die Sprache zeigts – der Mensch hält wenig vom Federvieh. Auch in der Haltung lässt er meist jegliche Wertschätzung vermissen.

Nachbars Hahn und Hühner haben Glück. Von morgens bis abends scharren sie sich durch den Garten, ruhen sich aus, legen Eier. Wer ihrem emsigen Treiben zuschaut, sieht schnell den Hahn im Korb. Ein dummes Huhn aber findet er nicht. Das dumme Huhn – es kommt wohl nur bei den Menschen vor.

Mario Knecht Gartengestaltung Basel Güggel
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24. Dezember 2017

"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,

wie grün sind deine Blätter.“ Der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz hat das einstige Volks- und spätere Liebeslied mit dem bekannten Weihnachtstext versehen. 1824 war es, und es war die Zeit, in der der Weihnachtsbaum allmählich seinen Weg in die Wohnstuben der Menschen fand. Lange war er der wohlhabenden Schicht vorbehalten, denn Tannenbäume waren in Europa rar und entsprechend teuer. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der Bedarf aller gedeckt werden. Der grüne Tannenbaum im Haus stand für die Hoffnung, heil durch den Winter zu kommen.

Heute werden allein in der Schweiz weit über eine Million Weihnachtsbäume an Private verkauft. Etwa die Hälfte kommt aus heimischer Produktion. Längst sind es nicht mehr die Bäumchen, die dem Durchforsten des Waldes zum Opfer fallen. Die heutigen Weihnachtsbäume kommen aus Plantagen und sind von perfektem Wuchs. Am beliebtesten sind die Nordmanntannen, die länger haltbar sind und die Nadeln weniger schnell verlieren als die Rottannen. Dafür riechen sie kaum, während Rottannen ihren typischen Duft im Wohnzimmer verströmen.

Auf öffentlichen Grund kamen Weihnachtsbäume im 16. Jahrhundert. Erste urkundliche Belege stammen aus Deutschland und aus dem Elsass und zeugen vom Kauf von Bäumen für Kirchen und Zunfthäuser. In Basel sollen 1597 Schneidergesellen einen mit Äpfel und Käse geschmückten grünen Baum umhergetragen haben, um ihn danach in ihrer Herberge aufzustellen und zu plündern.

Kein Weihnachtsbaum ohne Weihnachtsschmuck! Geschmückte Bäume haben gar eine viel längere Tradition als der Weihnachtsbaum. Sie waren schon in der Antike bekannt. So sollen die Römer ihren Sonnengott zur Wintersonnenwende mit einem geschmückten Baum geehrt haben. Die ersten Bäume in ihren Häusern haben die Menschen mit Äpfeln und Nüssen geschmückt, die klassischen Schmuckfarben Rot und Gold kommen daher. Heute findet sich Weihnachtsschmuck in allen Formen und Farben, wird meist in China produziert und ist ein Markt, von dem sich das ganze Jahr über leben lässt.

Der Weihnachtsbaum steht nicht mehr für die Hoffnung auf den nächsten Frühling. Doch was damals war und heute noch ist: Wenn die Lichter am Baum erstrahlen, wird allen Menschen warm ums Herz.

Weihachtsbaum
Weihnachtsbaumplantage1