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18. September 2018

Wespen

Weder unnütz noch aggressiv

Die Temperaturen sind gefallen, der Himmel ist verhangen an diesem Sonntagmorgen. Wir sitzen draussen, trinken noch einen Kaffee, vor uns die leeren Frühstücksteller. Zwei Wespen lassen sich darauf nieder, lecken an den Spuren des Honigs. Arbeiterinnen vielleicht, die nach Ende der Brutpflege noch ein paar freie Tage geniessen, bevor sie das Zeitliche segnet.

Der Honig sei ihnen gegönnt, denn das Wespenleben ist alles andere als ein Honigschlecken. Harte Arbeit bestimmt den Tag. Dazu kommt der Mensch, der den Wespen feindselig begegnet. Unnütze und aggressive Wesen, die sofort stechen und einem das gemütliche Essen im Freien vergällen, da hilft nur Töten, so die weitverbreitete Meinung.

Doch Wespen sind weder unnütz noch aggressiv. Von den elf Arten der in Mitteleuropa verbreiteten Echten Wespen nähern sich nur die Gemeine und die Deutsche Wespe dem Menschen. Wespen lieben Süsses, ernähren sich von Nektar, Pollen, Frucht- und Pflanzensäften. Die Larven werden mit erbeuteten oder toten Tieren gefüttert. Sie selbst dienen grösseren Insekten wie der geschützten Hornisse oder Libellen, aber auch Vögeln als Nahrungsquelle.

Wie die Bienen kennen auch die Wespen die Arbeitsteilung im Nest. Die jungen Königinnen, die überwintert haben, fangen im Frühling mit dem Nestbau an. Das Nest wird aus Holzmasse gebaut, und wer je eines in der Hand gehalten hat, staunt, wie gleichmässig und elegant es gebaut ist. Sobald die frisch geschlüpften Insekten kräftig genug sind, wird ihnen Arbeit zugeteilt, beim Nestbau, der Zellensäuberung, der Larvenfütterung, der Versorgung der Königin oder der Nahrungsbeschaffung. Wenn genügend Arbeiterinnen vorhanden sind, verlässt die Königin das Nest nicht mehr. Durch eine bessere Versorgung entwickeln sich aus einigen Larven fruchtbare Weibchen, die Königinnen der nächsten Generation. Aus gleichzeitig oder kurz vorher abgelegten unbefruchteten Eiern entwickeln sich Männchen. Diese verlassen das Nest, paaren sich mit einer jungen Königin aus einem benachbarten Volk – und sterben. Wenn gegen Herbst dann auch die alte Königin stirbt, verlassen alle das Nest. Im nächsten Jahr kehrt vielleicht eine der Königinnen an den gleichen Ort zurück, sie baut aber auf jeden Fall ein neues Nest.

Der Mensch und die Wespen, das ist keine Liebesgeschichte. Muss es ja auch nicht sein. Leben lassen können wir die Viechen trotzdem. Nicht fuchteln, sie nicht anhauchen, Getränke abdecken und ihnen vielleicht einen separaten Teller bereitstellen - so kommen wir gut aneinander vorbei.

Wespe1
8. August 2018

Hausrotschwänze

Gerngesehene Gäste

Im Osten färbt sich langsam der Himmel rot. Noch ist es kühl und ruhig. Ganz plötzlich hört man ein Zwitschern, leise zwar, aber doch sehr bestimmt. Es kommt von oben. Dort, wo Mauer und Dachbalken einen Zwischenraum lassen, kaum eine Hand breit und etwa gleich hoch, da hat sich ein Hausrotschwanz-Paar eingenistet. Nun sind die Jungen geschlüpft und schreien nach Futter. Nicht vergebens: Auf der Rose vor dem Fenster sitzt Vater Rotschwanz, eine fette Raupe hängt aus seinem Schnabel. Schwarz ist sein Gefieder, orange leuchten seine Schwanzfedern. Aufmerksam schaut er sich um, dann fliegt er unters Dach, stopft die Raupe in die hungrigen Schnäbel. Bevor er wieder wegfliegt, macht er noch kurz Rast auf der Petunie, die weiter unten an einem Dachbalken hängt. Dann ist es wieder ruhig. Doch bald hört man erneutes Gezwitscher. Dieses Mal ist die Mutter im Anflug, ein grau-braunes, unscheinbares Tier, mit Insekten im Schnabel. Sie fliegt auf den unteren Balken, auch sie schaut sich aufmerksam um, bevor sie zum Nest fliegt. Ich schaue dem emsigen Treiben lange zu - die Kleinen scheinen unersättlich.

Der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) ist eine Singvogelart aus der Familie der Fliegenschnäpper. Er wird etwa 15 cm gross und bis zu 20 g schwer. Ursprünglich ausschließlich im Gebirge beheimatet, ist er im 19. Jahrhundert in die künstliche Felslandschaft menschlicher Siedlungen eingewandert. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen. Typisch sind sein ständiges Schwanzzittern, oft verbunden mit einem Knicksen der Beine. Hausrotschwänze zählen tageszeitlich zu den ersten gesangsaktiven Vögeln. Sie sind Kurzstreckenzieher und überwintern vorwiegend im Mittelmeerraum. Sie verlassen dabei als eine der letzten wegziehenden Arten das Brutgebiet und kehren früh im Jahr zurück. Sie gelten als nicht gefährdet.

Lang geblieben sind die Vögel nicht unter meinem Dach. Ein paar Tage später schon liegen ein paar Moosfetzen auf der Treppe. Kein Gezwitscher ist mehr zu hören. Es ist ihnen wohl zu eng geworden dort oben, zwischen Mauer und Dach.

Gestern, als ich hinter dem Haus der Nachbarin durchlief, flog ein Gartenrotschwanz auf. Mit einem Hauch von Wehmut schaute ich ihm nach. - Es war mir eine Freude, euch als Gast zu haben. Drum kommt recht bald wieder. Mein Haus steht euch offen, jederzeit.

Hausrotschwanz Weibchen 2
Hausrotschwanz Maennchen 1
19. Juni 2018

Wildblumen

Wild, schön, gut

Wer Wildblumen sät, bietet Insekten reichen Tisch. Wiesensalbei, Natternkopf, Kamille, Borretsch, Färberkamille, Johanniskraut und Co. schaffen nicht nur für die Tiere ein farbenprächtiges Paradies, sie sind auch für den Menschen eine Augenweide.

Wildblumen sind für Insekten lebensnotwendig, wir Menschen können sie einfach nutzen, als Tee, als Heilmittel oder zur Dekoration. Borretschblüten beispielsweise verschönern jeden Salat, Ringelblumen und Malven bringen Farbe in Teemischungen,  Ringelblumen in Salben und Tinkturen gelten als entzündungshemmend und als wundheilend, kühlen nach dem Sonnenbad und heilen rissige Hände. Die Blüten der Färberkamille werden ebenfalls gerne in Tees verwendet. Die Färberkamille, der die Wärme und die Strahlkraft der Sonne zugeschrieben wird, wurde einst gegen Gelbsucht  und als Wundheilmittel eingesetzt. Ausserdem dient sie als Färbemittel, früher für Wolle, heute vorwiegend in der Küche. Sie eignet sich gut für Blumensträusse, ebenso wie Wiesensalbei, Sonnenhut, Glockenblumen oder Johanniskraut.

Johanniskraut, auch ihm wird die Kraft der Sommersonne zugeschrieben, ist vor allem als Heilmittel geschätzt. Bereits Paracelsus erwähnte die wundheilenden und blutreinigenden Fähigkeiten. Früher galt die Pflanze gar als dämonenabwehrend und wurde in Stall und an Fensterkreuze gehängt, um böse Geister abzuwehren. Heute wird Johanniskraut vor allem bei depressiven Verstimmungen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Erschöpfung empfohlen.

Ebenfalls seit dem Altertum als Heilpflanze bekannt ist die echte Kamille. Den Germanen soll sie als heilig gegolten haben: Sie weihten die Pflanze dem Lichtgott Baldur, für die Ägypter war sie die Blume des Sonnengottes Re. Als Hausmittel gegen Darm- und Magenbeschwerden ist die echte Kamille bis heute nicht wegzudenken. Sie wirkt entzündungshemmend und lindert als Dampf Erkältungsbeschwerden.

Insektenfutter, Augenweide, Heilmittel – Wildblumen sind eine Wohltat für Mensch und Tier. Man muss sie einfach im Garten haben.

 

Wildblumen Königskerze Mario Knecht Gartengestaltung
Naternkopf Wildblumen Mario Knecht Gartengestaltung Basel
Wildblumen Natternkopf Ii Mario Knecht Gartengestaltung Basel
Wildblumensaat Im Kies Beim Spielbereich Und Treppenaufgang
9. April 2018

Ohne sie geht nichts - Insekten

Letzten Herbst erreichte das Bienensterben die Massenmedien. Anlass dazu war die Veröffentlichung einer Studie*. Sie zeigt auf, dass in deutschen Naturschutzgebieten die Fluginsekten-Biomasse innert 27 Jahren um mehr als 75 % abgenommen hat. Im Sommer, in der Hauptflugsaison also, betrage der Verlust sogar über 80%. Die Ergebnisse bestätigten auch, dass die bekannten Rückgänge von Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern einhergehen mit den drastischen Biomasseverlusten bei Fluginsekten. Dies betrifft nicht nur seltene und gefährdete Arten, sondern die gesamte Welt der Insekten.

Klima- und Biotopveränderungen über all die Jahre schliesst die Studie als Gründe für den Verlust aus, denn dieser betreffe alle Gebiete. Nicht abschliessend klären konnte sie, wie gross der Einfluss der intensiven Landwirtschaft ist. Dass er gross sei, sei wahrscheinlich, denn die meisten Biotope sind kleiner als 50 Hektaren und von intensiv genutzten Flächen umgeben.

Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten stecke, sondern wie deren Sterben zu stoppen sei. So das Fazit der Studie. Viele Zeitungen haben darüber berichtet. Passiert ist anschliessend – nichts! Das Verbot des Herbizid Glyphosat, das massgeblich zum Artensterben beiträgt, kam in der EU nicht durch. Und die Schweiz will gar den Grenzwert im Wasser für dieses Gift massiv erhöhen.

Wir können nicht auf das Gesetz warten. Die Insekten brauchen unsere Unterstützung jetzt. Auf biologisch produzierte Lebensmittel setzen und öfters mal ein Fleischverzicht mindern den Druck auf die intensive Landwirtschaft. In unseren Gärten braucht es weder Herbizid noch Pestizid, sondern Blumen, Sträucher, Ast- und Steinhaufen, die den Insekten Nahrung, Wohnraum und Verstecke und bieten.

Die Insekten brauchen uns. Wir sie aber auch. Wenn sie nicht mehr die Pflanzen bestäuben, geht uns die Nahrung aus. Und mag uns unser Beitrag im Moment nur klein erscheinen - wir sollten nicht vergessen: Auch der grösste Fluss fängt mit einem Wassertropfen an.  

*More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas, Studie veröffentlicht in PLOS ONE, Oktober 2017

Mario Knecht Gartengestaltung Insekten
Mario Knecht Gartengestaltung Basel Wildbiene
Mario Knecht Gartengestaltung Basel Wildbiene 2