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25. April 2017

Der Holunder

Frau Holle im Garten

Ganz armselig sah der Holunder im Februar aus. Der grösste Teil seiner einst eindrücklichen Erscheinung war dem Bedarf an Material fürs Hügelbeet zum Opfer gefallen. Doch kaum wurden die Tage wärmer, erholte sich der Strauch, schossen aus jedem Ästchen neue Triebe. Nun, Ende April, hat er fast schon wieder seine alte Grösse erreicht und streckt voller Stolz seine Blütendolden in die Höhe.

Holunder, meist ist es der schwarze, sei eine denkbar anspruchslose Pflanze, lese ich in meinem Gartenbuch. Er liebe zwar Sonne und stickstoffreiche, feuchte Böden, doch könne er auch im Halbschatten und in jedem Boden gedeihen. Holder, wie er in der Schweiz oft genannt wird, ist in Europa weit verbreitet, wild in Hecken und Wäldern, kultiviert in Gärten. Vögel lieben seine Beeren, Insekten seine Blüten – und seine Blattläuse. Denn für die scheint der Holunder eine ganz besondere Attraktion zu sein.

Seit alters her zieht es Sambucus nigra zu den Häusern des Menschen. Er ziehe die guten Geister an, sagte mir mein Nachbar. Darum stehe der Holunder in der Nähe der Türe. Ausserdem galt er seiner vielseitigen Verwendbarkeit in der Volksmedizin wegen als ‚Apotheke des kleinen Mannes‘. Noch heute schätzt man ihn bei Erkältungen, und seine Blüten und Beeren finden sich in vielen Leckereien. Und das ist noch nicht alles.

Der Holunderbusch, das ergibt meine Google-Recherche, soll einst Sitz der germanischen Göttin Holda gewesen sein. Sie schützte das Leben von Tieren und Pflanzen und herrschte über die Jahreszeiten. Die Brüder Grimm setzten ihr mit Frau Holle ein Denkmal.

Sitz einer Göttin und der guten Geister – dafür kann man sogar Blattläuse in Kauf nehmen.

4. April 2017

Reges Treiben im Winter

Der Baum ist einfach zu gross. Jetzt, da die Sonne so tief steht, lässt sein dichtes Efeukleid keinen Sonnenstrahl mehr in die gute Stube. Höchste Zeit also, ihn einmal zurückzuschneiden.

Wenn da nur nicht all die Vögel wären, die sich im Baum eingenistet haben. Die hier Sturm, Schnee und Kälte trotzen. Ihretwegen verzichte ich auf die Sonne – sie danken es mit viel Spektakel: Spatzen plustern sich in der Sonne auf, fliegen aufs Dach, holen sich Futter bei Nachbars Hühnern. Eine Blaumeise pickt an den auf dem Gartenhag aufgesteckten Äpfeln, eine andere frisst, mit dem Rücken zum Boden, an einem Meisenknödel. Ein Rotkehlchen lässt sich vom Ast auf den Boden fallen, pickt ein paar Samen auf, hüpft wieder zurück auf den Baum. Eine Kohlmeise bedient sich an den vom Menschen aufgebrochenen Baumnüssen. Mit einem Fuss hält es das Nussteil fest, pickt es leer, fliegt davon. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Gepiepse und Gezwitscher.

Dann, plötzlich, ist es still, kein Vogel ist mehr zu sehen. Eine Katze kommt des Weges, schaut sich um, verschwindet durchs Katzentürchen ins Haus. Und flugs sind die Vögel wieder da.

Die Sonne geht hinter dem Wald unter. Langsam wird es ruhig um den Baum. Die Vögel verschwinden im Efeu. Noch einmal geht ein heftiges Zittern durch die Blätter – der Amselmann kommt nach Hause. Er, der am Morgen als erster den Baum verlässt, hüpft nun von Ast zu Ast, schaut aufmerksam nach allen Seiten. Fast scheint es, als würde er kontrollieren, ob alle da sind. Ein kurzes Gezwitscher, dann schlüpft auch er ins grüne Blättermeer.

Es ist dunkel geworden, der Mond geht auf. Kein Ton dringt aus dem Baum, nur ab und zu ein leises Rascheln. Ob die Vögelträumen?

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27. März 2017

Der Schlüssel zum Frühling

Primeln eröffnen das Blumenjahr, im Blumenladen und in der Natur. Sie machen damit ihrem Namen alle Ehre: Ihr lateinischer Name Primula kommt von prima, die Erste. Zur Gattung der Primeln gehören etwa 500 verschiedene Arten. Rund die Hälfte ist in China beheimatet.

Wilde Primeln finden sich auf der ganzen Nordhalbkugel. Was bei uns im Regal, in Garten und Parks blüht, ist meist die Primula vulgaris, die stängellose Schlüsselblume, auch Gartenprimel genannt. Die leuchtenden Farben im Blumenladen verdankt sie der Zucht, ausgewildert blühen die Pflanzen meist blasser. Gartenprimeln sind sehr beliebte und weit verbreitete Zierpflanzen. Viel seltener in unseren Breitengraden hingegen ist die Primula veris, die Erste des Frühlings, besser bekannt als Wiesen- oder echte Schlüsselblume.

Zu ihrem Namen kamen die Schlüsselblumen ihrer Blütenstände wegen, die so nahe beieinander stehen, dass sie an einen Schlüsselbund erinnern. Eine Legende sagt, dass Petrus einst die Schlüssel zum Himmelstor aus der Hand und auf die Erde gefallen sind. Ein Engel holte sie ihm zurück, und da, wo die Schlüssel lagen, kam eine Blume zum Blühen, man nannte sie fortan Schlüsselblume. Die Schlüsselblume als Türöffnerin kannten auch die Kelten: Göttin Brigid schloss mit Schlüsselblumen das Himmelstor auf und liess den Frühling herein. Im Mittelalter galten die Blumen als Schlüssel zu verborgenen Schätzen.

Primeln stehen ausserdem für Zufriedenheit. Primeln helfen bei Erkältungskrankheiten, Schlafstörungen, Herzbeschwerden und gegen Melancholie. Primeln bewahren die eigene Schönheit, wenn man die Blume auf sich trägt. Doch Primeln sind vor allem eines: Botinnen des Lichts und des Frühlings. Kein Wunder, sind sie so beliebt.

Primula Veris
31. Januar 2017

Artikel im Schweizer Garten

Die Mario Knecht Gartengestaltung ist Interviewpartner in der aktuellen Ausgabe des meistgelesenen schweizer Gartenmagazins "Schweizer Garten" zum Thema natürlicher Sichtschutz. Wunderbar geschrieben von Lioba Schneemann.

Webseite "Schweizer Garten"

Link zum Artikel

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