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28. September 2016

Schwalbenschwanz Raupe und Schmetterling

Schwalbenschwanz

Vorsichtig lässt er sich auf der Sonnenblume nieder, einen Moment lang behält er seine Flügel noch beisammen. Die gelbschwarze Zeichnung mit dem blauen Punkteband ist auch auf der Unterseite der Flügel zu sehen, selbst sein Körper ist Ton-in-Ton. Der Schwalbenschwanz ist eine bemerkenswerte Schönheit. Plötzlich schlägt er die Flügel auf, die beiden roten Punkte auf den Flügeln, die zur Abschreckung dienen, schillern im Sonnenlicht. Selbst die schwarzen Fortsätze an den Hinterflügeln, die ihm den Namen gaben, sind zu erkennen. Eine kurze Pause, und schon fliegt der Schmetterling wieder auf.

Der Schwalbenschwanz gehört in der grossen Familie der Insekten zu den Schuppenflüglern, seine Flügel sind mit Schuppen bedeckt. Je nach Lichteinfall können sie deshalb schillern. Die erste Generation des Schmetterlings schlüpft ab Mitte April, aus Puppen, die überwintert haben. Ende Mai legt sie Eier ab - und stirbt. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Raupen aus dem Ei und fressen als erstes die Eihülle. Fressen bestimmt weiterhin ihren Tag. Innerhalb eines Monats von etwa drei Millimetern auf rund fünf Zentimeter zu wachsen und dabei mehrmals die Haut zu wechseln, ist ja auch kein Kinderspiel. Am Anfang ist die Raupe noch dunkel, mit einem weissen Fleck in der Mitte. Sie sieht aus wie Vogelkot, das soll sie vor ihren Feinden schützen. Bald aber trägt sie ihr typisches grün-schwarz-gestreiftes Kleid mit den orangen Punkten. Raupen lieben Rautengewächse und Doldenblütler, darum sind sie häufig auf Rüebli, Fenchel oder Dill zu finden.

Für das Verpuppen sucht sich die Raupe einen geschützten Ort. Der kann auch weit weg vom bisherigen Standort sein. Nach etwa zwei Wochen schlüpft der Schmetterling, der Kreislauf beginnt von Neuem. Spätestens im Oktober verpuppt sich die letzte Generation, die überwintert.

Der Schwalbenschwanz ist in Europa und Asien weit verbreitet, nur in wenigen Gebieten gilt er als gefährdet. Und doch ist er bei uns ein rarer Gast. Die intensive Landwirtschaft und ordnungsliebende Gärtner lassen ihm zu wenig Lebensraum. Nektar spendende Blumen von Frühling bis Herbst und den Garten erst im Frühling abräumen – das macht sein Leben leichter. Und das desMenschen bunter.

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15. August 2016

Sonnenblumen

Sie steht mit leicht geneigtem Haupt da und zeigt dem Norden die kalte Schulter: Die Sonnenblume, die in den lateinischen Sprachen ‚die sich nach der Sonne wendet‘ heisst, verfolgt der Lauf der Sonne, von Ost nach West, dem Süden zugewandt. So lange, bis sie ihre volle Blütenpracht erreicht hat. Dann hört der Drehmechanismus auf, die Blüte bleibt stehen, egal, in welche Richtung sie grad blickt.

Helianthus annuus, so ihr Sortenname, gehört zur Familie der Korbblütler. In der deutschen Sprache kam die Sonnenblume durch ihre botanische Bezeichnung zum Namen. Das griechische helios bedeutet Sonne, anthos heisst Blume, annuus weist darauf hin, dass es sich um eine einjährige Pflanze handelt. In der griechischen Mythologie gibt es dazu die Geschichte einer jungen Frau, die aus Liebeskummer nicht mehr ass und trank und schliesslich eine Sonnenblume wurde. Es war aber wohl nicht die Sonnenblume, wie wir sie heute kennen, denn diese wurde erst im 16. Jahrhundert von spanischen Seefahrern aus Amerika nach Europa gebracht. In der Mississippi-Region und um Mexico-Stadt wurde sie allerdings bereits ab etwa 2500 v. Chr. angebaut.

Es gibt Pflanzen mit nur einer Blüte, aber auch verzweigte Varianten, die bei genügend Platz, viele Seitenäste und –blüten treiben. Bis zu zwei Meter hoch können sie werden, eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, wie klein die Samenkörner sind.

Sonnenblumen sind nicht nur in jedem Garten eine Zier, ihre Blüten dienen auch als Insektenweide. Öl aus Sonnenblumen schmeckt gut, es ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und deshalb gesund.

Ein Sommer ohne Sonnenblumen wäre kein Sommer. Und wer die Blumen nach dem Verwelken stehen lässt, macht nicht nur den Vögeln ein Geschenk, die die Blumen bis aufs letzte Samenkorn auspicken. Das Schauspiel, wie sie dies tun, erfreut den Menschen bis weit in den Winter hinein.

Sonnenblume Gartenhag
20. März 2016

Uralt und topmodern - Hochbeete

Hochbeete haben Hochsaison. Rund oder eckig, aus Holz oder Stein, Metall oder Kunststoff, gar auf Rädern, im Fachgeschäft findet sich für jeden Garten und jeden Balkon das Gewünschte. Wahre Wunder werden ihnen in der Literatur nachgesagt: In Hochbeeten lasse sich früher und mehr ernten, bei der Arbeit werde der Rücken geschont, Schnecken seien kein Thema mehr. Nun, Pflanzen in Hochbeeten haben tatsächlichwärmer, weil sie der Bodenkälte weniger ausgesetzt sind. Dafür bläst ihnen der Wind um die Blätter. Wer die Höhe des Beetes nicht auf seine Körpergrösse abstimmt, muss sich weiterhin ein wenig bücken. Und selbstverständlich finden die Schnecken den Salat auch im Hochbeet. Das mindert aber dessen Charme ganz und gar nicht.

Denn Hochbeete sind vielseitig. Sie dienen dem Anbau von Gemüse,haben dekorativen Charakter und lassen sich als Gestaltungselemente verwenden. Mit Wildblumen oder Kräutern bepflanzt, bringen sie Natur in den Garten. Wohl deshalb liegen sie zurzeit voll im Trend. Eine Neuerfindung sind sie allerdings nicht. Der Mensch kennt erhöhte Beete, seit er Pflanzen kultiviert. China nutzte  diese Anbauform schon vor mehr als 4000 Jahren. Die Azteken pflegten Hochbeete in der damals sumpfigen Ebene des heutigen Mexico City. Im Mittelalter waren in Europas Kloster- und Bauerngärten Hochbeete mit Weiden- oder Reisigwänden weit verbreitet. Das kommt nicht von ungefähr, denn Hochbeete bewirken in der Tat Wunder: Sie ermöglichen Wachstum, wo der Boden nichts hergibt. Hoch über diesem bieten sie Pflanzen das, was es zum Gedeihen braucht.

Mit der Industrialisierung, der Intensivierung der Landwirtschaft und der schwindenden Bedeutung von Selbstversorgung verloren Hochbeete ihren Wert. Nun hat die Gegenbewegung eingesetzt. Und mögen Hochbeete für unsere Ernährungssicherheit auch nicht wirklich wichtig sein, eine Bereicherung für Garten und Balkone sind sie allemal.

Hochbeet Fr Hbeet
Hochbeet Mit Brettern
2. Februar 2016

Christrosen - Königinnen des Winters

Auf dem Weg nach Bethlehem trug einer der Hirten kein Geschenk bei sich. Weil er nichts besass und zur kalten Winterzeit auch keine Blumen fand, weinte er bitterlich. Seine Tränen fielen auf die Erde, und aus ihnen entsprossen Blüten so schön wie Rosen. Glückselig überbrachte der Hirte die "Christ-Rosen" als Geschenk dem Jesus-Kind.

So geht eine Geschichte, wie die Christrose zu ihrem Namen gekommen sei. Vielleicht heisst sie aber auch so, weil sie schon ab November blühen kann oder weil der Mensch sie so kultiviert hat, dass sie zur Weihnachtszeit in voller Pracht steht. Wie auch immer, mit richtigem Namen heisst die Christrose Helleborus niger, die schwarze Nieswurz. Sie gehört zu den Hahnenfussgewächsen und ist giftig. Doch kam sie auch als Heilmittel zum Einsatz, unter anderem bei Wahnvorstellungen und Epilepsie. Das lateinische Wort helleborosus bedeutet denn auch ‚nicht ganz bei Verstand sein‘. Das deutsche Nieswurz weist auf einen weiteren Verwendungszweck hin. Die schwarzen unterirdischen Sprossen wurden als Niespulver und als Bestandteil von Schnupftabak genutzt. Heute ist Helleborus als Heilmittel nur noch in der Anthroposophie anzutreffen,

Die Christrose kommt aus Südostasien. Man nimmt an, dass sie mit der letzten Eiszeit zu uns gekommen ist und zuerst in Klostergärten, später auch in Bauerngärten kultiviert wurde. In der freien Natur ist sie in der Schweiz selten anzutreffen, sie gedeiht lediglich an wenigen Standorten im Südtessin. Sie liebt Kalk und feuchten humusreichen Boden, Staunässe hingegen mag sie gar nicht. Die tief wurzelnde Pflanze braucht ein ungestörtes Plätzchen und fühlt sich bei Sträuchern und Laubbäumen wohl. Dort hat sie Schatten im Sommer und Sonne im Winter. Ausserdem will sie ihre Wurzeln ganzjährig mit einer Mulchschicht aus Laub und frischem Kompost bedeckt haben.

Wenn die Bedingungen stimmen, ist Helleborus niger hart im Nehmen, verträgt starke Fröste und Trockenperioden. Und erfreut uns manches Jahr mitten im Winter mit ihren immergrünen Blättern und der auffälligen weissen Blütenpracht.

Christrose
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