Flechten

Seit Urzeiten eine Gemeinschaft

Flechten gehören zu den ältesten Lebewesen unserer Erde. Diese Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen oder – weniger häufig - einem Bakterium können gemeinsam, was jeder für sich allein nicht kann: unwirtliche Gebiete besiedeln. Felsen beispielsweise. Während Pilze Feuchtigkeit speichern, aber keine organische Nahrung aufnehmen können, können Algen dies, würden aber  vertrocknen. Mit ihrer Gemeinschaft sichern sie sich nicht nur das Überleben, sie produzieren nebenbei auch eine Säure, die Flechtensäure. Diese zersetzt Fels in feine Substanzen und macht damit den Boden für weitere Pflanzen verfügbar.

Weltweit sind rund 25'000 Flechtenarten bekannt. Sie werden je nach Wuchsform in drei Kategorien unterteilt: Die Blatt- resp. Laubflechte ist flächig und liegt locker auf dem Untergrund. Die Krustenflechte hingegen ist dicht mit dem Untergrund verwachsen. Die Strauchflechte wächst, wie der Name sagt, strauchartig. 

Ob die in der Bibel beschriebene Manna tatsächlich Flechten waren, ist nicht abschliessend bewiesen. Sicher aber ist, dass einige Flechten essbar sind und als Nahrungsmittel für Mensch und Tier dienen. Auch als Heilmittel sind die Lebensgemeinschaften bekannt. Sie werden gerne bei Husten, Schnupfen, Erkältungen und Lungenerkrankungen eingesetzt. Nicht zuletzt kommen Flechten auch in der Kosmetik- und in der Parfumbranche zum Einsatz.

Flechten wachsen nur sehr langsam, können aber mehrere hundert Jahre alt werden. Kälte oder Hitze können ihnen nichts anhaben. Bei extremer Trockenheit fallen sie in eine Art Starre und wachsen erst weiter, wenn wieder Feuchtigkeit auftritt. Was ihnen jedoch zusetzt, ist schlechte Luftqualität. Denn Flechten nehmen Nähr- aber auch Schadstoffe ungefiltert aus der Luft auf und reagieren sehr sensibel auf Umweltverschmutzungen. Deshalb werden sie gerne als Messgeräte bei Umwelt-Untersuchungen benutzt. Veränderungen im Wachstum deuten auf Schadstoffe hin, das Fehlen von Flechten ist oft Folge einer schlechten Luftqualität. 

Doch auch andere Faktoren nehmen diesen Lebewesen, die biologisch den Pilzen zugeordnet werden, die Luft oder den Ort zum Gedeihen, die intensive Bewirtschaftung von Wald und Feldern beispielsweise. So zeigt die Rote Liste der boden- und baumbesiedelnden Flechten aus dem Jahre 2002, dass von den in der Schweiz untersuchten rund 800 Flechten nur noch knapp 40 % als nicht gefährdet gelten können.   

Flechten können auch im Garten gedeihen, vor allem auf Trockenmauern oder Obstbäumen. Wenn Sie eine sehen, schauen Sie sie an. Ist es nicht ein Wunder: eine Gemeinschaft, deren Wurzeln bis in die Urzeit reicht, vor der eigenen Haustür? 

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