Hausspatzen
Hausspatzen
Gesellig und liebenswert
Als der Mensch sesshaft wurde und begann, Felder zu bestellen, flog ihm alsbald der Hausspatz zu. Das kleine, kaum dreissig Gramm schwere Vögelchen fand bei ihm, was es liebt: Getreidekörner und Sämereien. Und genug Möglichkeiten zum Nisten und Schlafen. Wohin der Mensch fortan auch ging, der Hausspatz folgte ihm. Er wurde so zu einer der weitest verbreiteten Vogelart auf unserem Planeten.
Ein Spatz kommt selten allein. Spatzen sind gesellige und soziale Wesen. Ob wohnen, fressen, brüten, sie richten ihr ganzes Tun und Verhalten auf die Gruppe aus. Dabei kommunizieren sie ständig untereinander. Ihr Tschilpen ist nicht melodiös, dennoch gehören Spatzen zu den Singvögeln. Auch ihr grau-braun-schwarzes Federkleid ist nicht spektakulär. Und sie sind sehr bescheiden. Sie bevorzugen zwar ländliche Siedlungsgebiete oder Stadtparks, geben sich aber auch mit passenden Hohlräumen in Bahnhöfen, Fensterstoren oder Fabriken zufrieden. Sie schätzen Getreide, Samen und Insekten aller Art – und fressen, was vorhanden ist, auch Essensreste vom Menschen. Ihre Nester bauen sie gerne aus Stroh und Gras, doch wird alles, was sich verbauen lässt, verbaut.
Längst hat der Spatz Eingang in unsere Sprache gefunden. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach hat einer, der bescheiden ist. Wer mit Kanonen auf Spatzen schiesst, übertreibt. Was die Spatzen vom Dach pfeifen, ist kein Geheimnis mehr. Warum aber jemand, der als dumm oder vergesslich gilt, ein Spatzenhirn haben soll, ist nicht nachzuvollziehen. Spatzen sind alles andere als dumm. Kaum ein anderes Tier hat sich so den Veränderungen durch den Menschen angepasst wie der Spatz.
Spatzen brüten zwei- bis dreimal im Jahr mit je drei bis fünf Eiern. Doch nur etwa jeder fünfte Jungvogel wird ein Jahr alt. Feinde gibt es viele, Greifvögel, Marder, Katzen. Doch der grösste Feind ist der Mensch. Der anspruchslose, anpassungsfähige Spatz, dieser Kulturfolger par excellence, er findet im Siedlungsraum nicht mehr genug Nahrung und zu wenig Nistplätze. Noch gilt er als nicht gefährdet, doch die Abnahme des Bestandes ist besorgniserregend.
In den Gärten hinter meinem Haus scheint der Bestand stabil. In den Sträuchern und efeubewachsenen Bäumen fühlen sich die Spatzen wohl. Zu fressen gibt es genug, ausserdem gibt es beim Nachbarn einen besonderen Leckerbissen: Hühnerfutter. Ich schaue ihnen gerne zu, wie sie von Zweig zu Zweig hüpfen, hier und dort etwas picken, wegfliegen und wieder zurück kommen.
Spatzen können nicht singen, sie sehen nicht spektakulär aus, aber sie uns sind sehr, sehr sympathisch. Warum sonst würden wir einen geliebten Menschen als ‘Spatz’ bezeichnen?