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31. Januar 2018

Hahn im Korb

Wenn sich das Gartentor gut hörbar öffnet, kommt der Hahn mit seinem Harem angerannt. Er nennt zwar nur ein paar wenige Hennen sein Eigen, doch das scheint seinem Stolz nichts anzuhaben. Aufmerksam bewacht er das Scharren und Picken seiner Damen, macht es ihnen gleich, krächzt, wenn er etwas gefunden hat, das er mit ihnen teilen will. Er ist ein Seidenhahn, ein schönes Tier, weiss-grau, etwas braun, mit schwarz-grünen Schwanzfedern.

Seidenhühner sind kleiner als Haushühner und haben ausgefranste Federn. Woher sie kommen, ist unklar, ebenso, wann sie den Weg nach Europa fanden. Es gibt Hinweise, dass sie es Ende des 18. Jahrhundert nach Holland und ins Burgund schafften. Damals sollen unter anderem fahrende Schausteller das Federvieh als Kreuzung von Hühnern und Kaninchen vorgeführt haben.

Doch der Mensch hat viel früher angefangen, Hühner zu domestizieren. So lassen sich Funde am Indus auf etwa 2500 vor Christus datieren, in China und Ägypten gilt der Nachweis von Hühnerhaltung ab etwa 1500 v. Chr. als gesichert. In der Schweiz finden sich Beweise ab dem fünften Jahrhundert v. Chr., und zwar hier in der Region.

Huhn und Hahn begleiten den Menschen durchs Leben, auf dem Kirchturm, in Büchern, original im Stall und im Garten. Ihre Eier sind begehrt, ihr Fleisch auch. Und auch in die Sprache haben sie Eingang gefunden: gackern wie ein Huhn, sich aufführen wie ein Gockel, Hahn im Korb oder ein dummes Huhn sein. Die Sprache zeigts – der Mensch hält wenig vom Federvieh. Auch in der Haltung lässt er meist jegliche Wertschätzung vermissen.

Nachbars Hahn und Hühner haben Glück. Von morgens bis abends scharren sie sich durch den Garten, ruhen sich aus, legen Eier. Wer ihrem emsigen Treiben zuschaut, sieht schnell den Hahn im Korb. Ein dummes Huhn aber findet er nicht. Das dumme Huhn – es kommt wohl nur bei den Menschen vor.

Mario Knecht Gartengestaltung Basel Güggel
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24. Dezember 2017

"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,

wie grün sind deine Blätter.“ Der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz hat das einstige Volks- und spätere Liebeslied mit dem bekannten Weihnachtstext versehen. 1824 war es, und es war die Zeit, in der der Weihnachtsbaum allmählich seinen Weg in die Wohnstuben der Menschen fand. Lange war er der wohlhabenden Schicht vorbehalten, denn Tannenbäume waren in Europa rar und entsprechend teuer. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der Bedarf aller gedeckt werden. Der grüne Tannenbaum im Haus stand für die Hoffnung, heil durch den Winter zu kommen.

Heute werden allein in der Schweiz weit über eine Million Weihnachtsbäume an Private verkauft. Etwa die Hälfte kommt aus heimischer Produktion. Längst sind es nicht mehr die Bäumchen, die dem Durchforsten des Waldes zum Opfer fallen. Die heutigen Weihnachtsbäume kommen aus Plantagen und sind von perfektem Wuchs. Am beliebtesten sind die Nordmanntannen, die länger haltbar sind und die Nadeln weniger schnell verlieren als die Rottannen. Dafür riechen sie kaum, während Rottannen ihren typischen Duft im Wohnzimmer verströmen.

Auf öffentlichen Grund kamen Weihnachtsbäume im 16. Jahrhundert. Erste urkundliche Belege stammen aus Deutschland und aus dem Elsass und zeugen vom Kauf von Bäumen für Kirchen und Zunfthäuser. In Basel sollen 1597 Schneidergesellen einen mit Äpfel und Käse geschmückten grünen Baum umhergetragen haben, um ihn danach in ihrer Herberge aufzustellen und zu plündern.

Kein Weihnachtsbaum ohne Weihnachtsschmuck! Geschmückte Bäume haben gar eine viel längere Tradition als der Weihnachtsbaum. Sie waren schon in der Antike bekannt. So sollen die Römer ihren Sonnengott zur Wintersonnenwende mit einem geschmückten Baum geehrt haben. Die ersten Bäume in ihren Häusern haben die Menschen mit Äpfeln und Nüssen geschmückt, die klassischen Schmuckfarben Rot und Gold kommen daher. Heute findet sich Weihnachtsschmuck in allen Formen und Farben, wird meist in China produziert und ist ein Markt, von dem sich das ganze Jahr über leben lässt.

Der Weihnachtsbaum steht nicht mehr für die Hoffnung auf den nächsten Frühling. Doch was damals war und heute noch ist: Wenn die Lichter am Baum erstrahlen, wird allen Menschen warm ums Herz.

Weihachtsbaum
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4. September 2017

Hibiskus

Spätsommerpracht

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Noch sind die Tage heiss, sehr heiss. Doch sie sind merklich kürzer geworden, und das Licht trägt schon den Herbst in sich. Die vielen Schwalben in der Abendsonne künden von der baldigen Abreise ins Winterquartier Afrika. Dahin, wo die Mauersegler bereits aufgebrochen sind.

Es ist dies die Zeit für den Hibiskus. Er, der im Frühling lange Zeit aussah, als hätte ihn das Zeitliche gesegnet, weil er so spät austreibt, entfaltet nun seine volle Blütenpracht. Jeden Tag aufs Neue wickeln sich die die trichterförmigen Blumen aus der Knospe, setzen weisse, rosa oder lila Farbpunkte im Garten. Eine willkommene Abwechslung in das viele Verblühte. Und ein reicher Tisch für Bienen. Sie lassen es sich gerne gefallen, fliegen von früh bis spät, krabbeln tief ins Blüteninnere, bis sie ganz weiss vom Blütenstaub sind. Fast scheint es, als würden sie sich nochmals so richtig vollsaugen, bevor die kalten Tage kommen.

Ursprünglich stammt der Hibiskus aus Südostasien. Er gehört zu den Malvengewächsen. Der bei uns verbreitete Gartenhibiskus, hibiskus syriacus oder auch Garteneibisch genannt, hat sich gut an das hiesige Klima gewöhnt, er ist winterhart und erträgt auch Frost. Er liebt halbschattige bis sonnige Orte, hat gerne feucht, mag aber keine Staunässe. Regnet es über längere Zeit nicht, sollte man ihn giessen, sonst wirft er seine Blüten ab.

Die Blüten erfreuen nicht nur Insekten und des Menschen Auge. Die Blütenblätter werden auch gerne als Tee verwendet. Sie geben dem Tee Farbe, löschen den Durst, und es wird ihnen eine blutdrucksenkende Wirkung nachgesagt.

In Südkorea und Malaysia wird Hibiskus als Nationalblume verehrt. Die ‚unvergängliche Blume‘ steht dort für Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, in China wird sie mit Pracht, Ruhm und Reichtum assoziiert. Und auch bei uns ist sie Pracht und Reichtum: eine Augenpracht, die das Leben der Bienen reicher macht.

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11. August 2017

Mauersegler: Flugkünstler ohnegleichen

Die Mauersegler sind schon eingezogen, haben das Angebot des Menschen angenommen und wohnen nun in den aufgehängten Holzkasten unter dem Dach. Tür an Tür mit den Schwalben, denen sie zwar ähnlich sehen, mit denen sie aber nicht weiter verwandt sind. Denn sie gehören zu den Seglern und haben sich wie kaum ein anderer Vogel an das Leben in der Luft, aber auch in den Städten angepasst. Einst nisteten sie in Felshöhlen, doch wahrscheinlich schon im Mittelalter sind sie dem Menschen gefolgt und haben sich in Burgen und Klöstern einquartiert. Auch in Städten und Dörfern fanden die Mauersegler Unterschlupf. Lange Zeit gehörten sie zum Stadtbild, wie die Tauben dies tun. Erst in den letzten Jahren bekunden sie Mühe. Der Abriss von alten Gebäuden und Gebäudesanierungen führen dazu, dass sie immer öfter vor ‚verschlossenen‘ Türen stehen.

Für die Suche nach einem Nest bleibt kaum Zeit, denn Mauersegler sind kaum drei Monate hier. Sie sind deshalb sehr brutortgebunden. Nach ihrem ersten Winter im südlichen Afrika suchen oder bauen sie hier ein Nest. Dabei schliessen sie sich gerne bestehenden Kolonien an. Sie brüten aber frühestens ab dem zweiten Jahr. Die Brutzeit dauert rund drei Wochen, etwa sechs Wochen brauchen die Jungvögel, bis sie flügge sind. Bis es soweit ist, hopsen die Kleinen im Nest umher. Weil ihre Füsse so kurz sind, dass sie damit kaum vorankommen, behelfen sie sich mit ihren aufgestützten Flügeln. So bewegen sie sich am Boden auch noch, wenn sie ausgewachsen sind. Fehlt infolge schlechter Witterung die Nahrung, fallen Jungvögel in eine Hungerstarre und können so bis zu zwei Wochen überleben.

Spyren, wie die Mauersegler auch genannt werden, verbringen ihr Leben fast ausschliesslich in der Luft. Ihre Formationsflüge um Häuser und durch Strassen, mal knapp über dem Boden, mal hoch in der Luft, lassen uns staunen. Wenn das Wetter über längere Zeit schlecht ist, fliegen sie einfach schnell in wärmere Gefilde. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern und können 3000 Meter in die Höhe steigen. Weil sie dies auch abends tun, sagte man einst, sie verbrächten die Nacht auf dem Mond. Dass dies nicht stimmt, wissen wir mittlerweile. Wie Mauersegler es anstellen, dass sie im Fluge schlafen und sich erholen können, bleibt hingegen ihr grosses Geheimnis.

Mauersegler
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